Gelebte Leidenschaft für den Friseurberuf

01.09..2017 Reken (geg). „Wenn man den Willen hat, kann man alles schaffen,“ mit dieser Einstellung lebt der 26-jährige Syrer Modar Tenawi bereits sein ganzes Leben.

Und damit hat er wohl gar nicht so Unrecht. Denn genau mit dieser Einstellung und seinem offenen Wesen hat er Anke Doernemann überzeugt, ihm einen Ausbildungsplatz in ihrem Salon "Crehaartive" zu geben. Ihr gutes Gefühl bestätigte sich bei einem Praktikum, bei der er auch durch eine hohe Einsatzbereitschaft glänzte.
 Mit seinem eisernem Willen hat Modar Tenawi es geschafft, den Krieg in seiner syrischen Heimatstadt Damaskus hinter sich zu lassen, ist über Stationen in Jordanien und der Türkei schließlich nach Deutschland gekommen - nach Schermbeck. Und nun ist er dabei seinen Traumberuf zu erlernen. 


Berührungsängste hat er nicht, das wird bei einem Gespräch mit ihm klar. Er ist jemand, der auf die Menschen zugeht. Und das auch in Bahn, Bus und Straßenbahn. Zum Beispiel auf dem Weg nach Essen zu seinem Bruder und seiner Freundin. „Ich suche das Gespräch mit den Menschen, um meine Deutschkenntnisse zu verbessern“, erzählt er mit spitzbübischem Lächeln im Gesicht. Die Grundkenntnisse hat er bei einem Kurs erworben - was ihm besonders fehlt, sind Kenntnisse der Umgangssprache, was auch schon mal bei der Betreuung von Kunden auffällt. 
Bevor er seine Tätigkeit am 1. August im „Crehaartive“ aufnahm, hat er sich in den letzten Jahren das Haareschneiden bei Männern selbst beigebracht. „Ich hab mir das abgeguckt“, sagt er.

Dabei ist er so gut, dass er tatsächlich auch im Salon „Crehaartive“ bereits einige Schnitte eigenständig schneiden kann. „Es gibt aber Unterschiede in der Technik zu südländischen Schnitten, die er zusätzlich noch lernt“, erklärt Friseurmeisterin Anke Doernemann.

Modar Tenawi ist hochmotiviert endlich alles zu lernen, stylische Schnitte, Farbe, Haarverlängerungen und typgerechte Beratung- auch bei Damen und hat sich deshalb für eine Ausbildung entschieden, obwohl die Notwendigkeit eines dreijährigen Besuchs der Berufsschule für ihn nicht so ganz einsichtig ist. Er ist halt der Praktiker. 
Anke Doernemann zeigt sich aber optimistisch, dass er die Ausbildungszeit aufgrund seiner Vorkenntnisse auch im kaufmännischen Bereich, verkürzen kann. Außerdem ist der Unterricht recht intensiv. Da die Zahl derer im Kreis Borken, die einen Friseurberuf erlernen möchten, verschwindend gering ist. In der Borkener Berufsschule gibt es nur acht Auszubildende in der Klasse. 
Anke Doernemann berichtet, dass es zu merken ist, dass Modars Vater Kaufmann ist und in Damaskus einen Laden besitzt. Der Sohn hat schon als kleiner Junge erfahren: „Seine Probleme lässt man zu Hause, und mit den Kunden wird gelacht. Arbeit ist das Wichtigste.“ Und: “Modars gute Laune ist einfach ansteckend, mit ihm wird es keine Sekunde langweilig.“