Schützenfest endete ohne König

4.7.2016 Bahnhof Reken (geg). „Wir würden ja gern verlängern, aber wir wünschen den neuen Regenten, dass sie genauso viel Spaß und Freude haben wie wir", das sagte das Vorjahreskönigspaar Andreas Schwerhoff und Hermine Fragemann an der Vogelstange.

Doch dieser Wunsch ging ins Leere, denn die Bahnhof Rekener ließen es sich gut gehen in Üllenbergs Büschken und dachten gar nicht daran, zur Vogelstange zu schreiten. Dass es da um den Wettbewerb der Königswürde geht, davon fühlte sich niemand angesprochen. Frei nach dem Motto „Lass die anderen mal machen". Ein Hamsterrad. Und die Aspiranten die wollten, wurden von ihren Partnerinnen "zurückgepfiffen". Ein scherzhafter Kommentar eines Schützenbruders: "Die Frauen sollten bis 15 Uhr Vogelstangenverbot haben".
Der Albtraum aller Schützenvereine wurde in Bahnhof Reken Realität. Es gibt keinen neuen König. .
Um 11.30 Uhr begann das Vogelschießen in Üllenbergs Büschken wie gewohnt mit den Ehrenschüssen der Pastöre, des Vorjahreskönigs und des Bürgermeisters. Von Anfang an lag die Vogelstange ziemlich verwaist da. Schießmeister Andreas Dehling schoss genua wie Ludger Ross, hier und da damit sich überhaupt etwas tat und rief verzweifelt: "Kann mir mal einer helfen?" Das hörte wohl keiner. Präses und Pfarrer Thomas Hatwig, versuchte noch den einen oder anderen zu motivieren. Ohne Erfolg.
Ab 14 Uhr passierte dann irgendwie gar nichts mehr, sodass Brudermeister Clemens Wenning um 15 Uhr für den neuen König einen Zuschuss von 1000 Euro aus der Vereinskasse versprach. „Wir sehen nicht ein, dass immer die 'Grünröcke", sprich Vorstand und Offiziere den Vogel runterholen" so der Brudermeister als Begründung für den Anreiz. Alle applaudierten, drehten sich um und machten das was sie auch vorher schon gemacht hatten. Feiern.
Der Vogel wurde angesägt, um das Fallen zu beschleunigen, auch das zog keine Anwärter an.



Um 16 Uhr zog Wenning dann die Notbremse, stieg auf den Tisch und verkündete das Ende des Schützenfestes, wenn sich bis 16.30 Uhr niemand finden würde. „Es ist nicht unser Fest es ist Euer Fest," versuchte der Brudermeister den Anwesenden klar zu machen. Wieder Applaus und wieder passierte nichts. So machte er ganz konsequent seine Drohung war: "Wie vor einer halben Stunde angekündigt, machen wir jetzt Schluss. Es gibt keinen Anwärter auf die Königskette, deshalb wird die Vogelstange heruntergefahren. Sehr schade, aber anders können wir nicht handeln. Ansonsten bleibt es beim Antreten um 18.30 Uhr, und ihr seid heute Abend alle nicht mehr zum Thronball, sondern zum Heimatfest ins Festzelt eingeladen."
Also wurde der Schießstand abgebaut, der Vogel sollte am Abend dann verbrannt werden, Vereine wurden eingeladen um dann am Abend das Schützenfest mit einem Heimatabend ausklingen zu lassen.
413 Schuss und kein König- das gab es in Reken noch nicht. Bürgermeister Manuel Deitert stärkte dem Brudermeister den Rücken: "Das war die absolut richtige Entscheidung," sagte er.

Kommentar:
Fast jeder im Dorf liebt sie  - fast jeder fiebert daraufhin- Jahr für Jahr aufs Neue. Schützenfeste sind ein Highlight im dörflichen Veranstaltungskalender und das nicht nur in müsterländischen Ortschaften. Teilweise seit Jahrhunderten.

Fragt man Königspaare nach ihren Erfahrungen sind diese ausnahmslos begeistert und empfehlen es jedem, das auch einmal zu machen.
Aber dann muss man ja Verantwortung übernehmen und das ist  gemeinhin wohl ein großes gesellschaftliches Problem.
Schaut man aber mal hinter die Kulissen eines Schützenvereines, sieht man was die ehrenamtlichen Kräfte - sprich Vorstand Ofiiziere und weitere Organisatoren, leisten um ein schönes Dorffest zu ermöglichen auf das ja die meisten warten. Ein Fest was die erwachsenen Kinder Jahr für Jahr nach Hause zieht, wo man sich wieder trifft und ein Gefühl von Heimat erlebt. Es zeigt, das so ein Fest nicht nur die Legitimation ist, sich vier Tage lang zu betrinken, sondern dass hier auch verdeutlicht wird, wo die eigenen Wurzeln sind, das man in einer Gemeinschaft lebt, in der man sich gegenseitig trägt.
Wenn aber das Gemeinschaftswesen eines Schützenvereines Bestand haben soll, ist ein jeder Mitfeiernde moralisch verpflichtet das Bemühen des Vorstands um den Erhalt der Tradition durch den Königsschuss zu belohnen. Nicht nur die Hand aufhalten und genießen, sondern auch seinen Beitrag zum Gelingen beizutragen und dadurch auch zu mal geben, so sollte die Devise lauten.
Dem Brudermeister Clemens Wenning und seinem Vorstand ist für diese "klare Kante" die heute an der Vogelstange gezeigt wurde, nur zu gratuilieren.   

Fotos:
https://www.reken-erleben.de/index.php/fotos/vogelstange-bahnhof-reken-fotos-gaby-eggert

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